Veränderte Berufswelt und Konsequenzen
für die Arbeit in der Realschule I Nordenham

Vor dem Hintergrund einer veränderten Gesellschaft mit einer veränderten Schülerschaft und anderen Anforderungen in der Berufswelt hat sich der Bildungsauftrag der Schule gewandelt: Im Vordergrund steht heute, mehr denn je, zum einen die Bildung der Gesamtpersönlichkeit. Es ist wichtig, der Erziehung des Jugendlichen einen größeren Stellenwert einzuräumen und das Schulleben so zu gestalten, dass soziales Lernen gefördert wird. Zugleich muss sich die Schu-le darauf einstellen, dass der Mitarbeiter in der heutigen Berufswelt über Schlüsselqualifikatio-nen (z.B. Selbstständigkeit, Eigeninitiative, Kooperationsfähigkeit, Kreativität) verfügt und vor allem in die Lage versetzt werden soll, ständig weiterzulernen.

Über diesen Zusammenhang besteht an der Realschule I Konsens. Im Rahmen eines Betriebsaus-flugs hatte sich das Kollegium bereits 1990 im VW-Werk in Emden über Ausbildungsmethoden infor-miert und festgestellt, dass sich hier deutliche Veränderungen vollzogen haben, die in der Schule nicht unberücksichtigt bleiben dürfen. Als Folge davon hat sich das Kollegium 1991 im Rahmen einer schul-internen Fortbildung (SchiLF) mit den Veränderungen in Beruf und Gesellschaft sowie den Konse-quenzen für die Schule beschäftigt. Auf einer weiteren Fortbildung 1992 standen Freiarbeit und Wo-chenplanarbeit als Formen des Offenen Unterrichts im Mittelpunkt. Nach diesen Vorarbeiten hat sich ein Konzept herauskristallisiert, das ständig weiterentwickelt wird.

Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der Partnerschaft mit Premium Aerotec zu sowie dem „Minipraktikum“ in Kooperation mit 20 Firmen in Nordenham und der Wesermarsch. Diese Öffnung der Schule nach außen hat das Ziel, die Anforderungen der Wirtschaft und der Berufs-welt schlechthin besser – "hautnah" - kennenzulernen und die dabei gewonnenen Erkenntnisse in die schulische Arbeit einfließen zu lassen.

 

Welche Konsequenzen haben diese Erkenntnisse für die schulische Arbeit, wie muss der Unterricht vor diesem Hintergrund heute gestaltet werden? - Schulleben und Unterricht müssen insgesamt so gestaltet werden, dass sich die Förderung von Schlüsselqualifikationen wie Selbstständigkeit, Teamfä-higkeit, Eigeninitiative, Verantwortungsbewusstsein wie ein "roter Faden" durch die tägliche Praxis ziehen. Die Schule muss also neue Wege gehen und sich weiterentwickeln, wenn sie Schritt halten will mit den Anforderungen von Beruf und Gesellschaft.

Unterricht:
Förderung von Selbständigkeit, Eigenaktivität und Leistungsbereitschaft

Eine Möglichkeit, die genannten Ziele im Unterricht umzusetzen, sind offenere Unterrichtsformen, also z. B. Freiarbeit, Projektarbeit, Leittexte u. ä. Im Gegensatz zum Lehrer orientierten Unterricht, wo Ver-lauf und Ergebnisse des Unterrichts weitgehend vom Lehrer bestimmt werden, gibt es hier einen grö-ßeren Handlungsspielraum. Der Unterricht soll zur möglichst selbstständigen, aktiven Auseinanderset-zung mit dem jeweiligen Thema führen. Offener Unterricht ist so durch ein selbständiges und koopera-tives, ein Problem orientiertes und handlungsbezogenes Lernen der Schülerinnen und Schüler ge-kennzeichnet.

Dieses sind recht anspruchsvolle Ziele und so liegt es auf der Hand, dass der – so definierte - Offene Unterricht sehr leistungsbezogen ist. Schüler neigen eher zu Passivität und und strengen sich ungern an. Genau das muss aber verlangt werden!  "Fordern statt verwöhnen", heißt das Motto und „Leistung macht Spaß“. Erst wer sich auch einmal durch schwierigere Probleme mit Ausdauer "durchgebissen" hat, empfindet Zufriedenheit mit der eigenen Leistung.

Es geht aber nicht darum, den Lernziel orientierten bzw. Lehrer vermittelnden Unterricht abzulösen. Er hat selbstverständlich nach wie vor einen wichtigen Stellenwert. Ein stärker vom Lehrer strukturierter und gelenkter Unterricht ist in bestimmten Unterrichtsphasen weiterhin unverzichtbarer Bestandteil des Lernprozesses. Zugleich muss es Unterrichtsmethoden geben, die die Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf ihre Selbständigkeit, Kreativität und Fähigkeit, Probleme möglichst eigenständig zu lösen, nicht unterfordern. Wichtig ist vor allem, grundsätzlich Unterrichtsphasen zu haben, die in besonderer Weise selbst bestimmtes und selbst verantwortetes Lernen sowie die Förderung der Eigenaktivität zum Ziel haben.

 

Schulleben:
Engagement und Übernahme von Verantwortung

Auch im Bereich des Schullebens gibt es vielfältige Möglichkeiten, Eigenaktivität, Engagement, Selbst-ständigkeit und Verantwortungsbewusstsein zu fördern. Das Bemühen darum, weitere Gelegenheiten zu schaffen, zieht sich wie ein "roter Faden" durch das Schulleben. Möglichst viele Schüler werden in eigenverantwortliche Tätigkeiten eingebunden. Immer mehr Schülerinnen und Schüler sind mittlerweile auch bereit, sich in irgendeiner Form für die Schulgemeinschaft - sei es über den Schülerrat oder in anderen Gruppen - zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen.

• Dies beginnt schon in der Klasse. Hier gibt es außer den traditionellen Aufgaben wie Klas-senbuchführer und Klassendienst, der für die Sauberkeit im Klassenraum die letzte Verantwor-tung trägt, auch Verantwortliche für die Gestaltung der Pinnwand, die Blumen, für die Verwal-tung des Materials im Klassenschrank und die Klassengeschäfte.

• Die Cafeteria wird von der Schülerfirma (von Schülern der 9. und 10. Klassen) organisiert. Sie sind verantwortlich für den Einkauf, den Verkauf, die Abrechnung und die Sauberkeit im Raum.

• In der Verwaltung gibt es eine Menge Aufgaben, die Schüler erledigen können. So wird z.B. das Austeilen, Einsammeln und Erfassen der Lehrbücher, die im Rahmen der Lernmittelfrei-heit verteilt werden, nach erstmaliger Anleitung durch die Schulsekretärin weitgehend von Schülern organisiert.

• Weitere eigenverantwortliche "Jobs" gibt es bei der Betreuung des Aquariums, in der Schülerbücherei, im Schularchiv und bei der Schulzeitung.

• Die Schülerbücherei wurde ausgestatte mit dem Schulbücherei-Programm „Littera“, damit ein - von Schülern allein verwaltetes - Informationsangebot bereitgestellt werden kann.  

Im Grunde wird von den Schülerinnen und Schülern erwartet, dass sie im Laufe ihrer Schulzeit in irgendeiner Form für die Gemeinschaft Verantwortung übernehmen und irgendetwas für sie tun. Nicht zuletzt trägt ein von Schülern getragenes Schulleben zur guten Atmosphäre der Schule bei.


 
Zum Anfang