SCHULE Wolfgang Stelling geht in den Ruhestand – Pädagoge mit Herz und Vorliebe für Disziplin
Der 65-Jährige hat als Sportlehrer Generationen von Schülern unter seinen Fittichen gehabt. Nun beendet er seine Lehrer-Laufbahn.

von Jens Milde
Nordenham - Der Garten ist Wolfgang Stellings Ruhepol. Wenn er nachdenken muss, kann er das am besten hier auf dem gepflegten Rasen zwischen Rosen und Buchsbaum. Im Schatten des Hochhauses sieht’s so aufgeräumt aus, wie es Wolfgang Stelling mag. Der 65-Jährige steht für Tugenden, mit denen er manch einem Schüler den Nerv geraubt hat, weil er sie nicht nur lebt, sondern stets auch eingefordert hat. Ordnung und Disziplin sind und waren ihm immer wichtig. Nach 41 Jahren im Schuldienst tritt Wolfgang Stelling nun seinen Ruhestand an.
Unzähligen Kindern hat Wolfgang Stelling das Turnen beigebracht – in der Schule und im SV Nordenham. Er selbst treibt seit frühester Kindheit Sport. In Stade, wo der dreifache Vater aufgewachsen ist, trat er in den Verein ein. Er probierte fast alles: Leichtathletik, Schwimmen, Tischtennis, Fußball. Erst im Alter von 16 Jahren fing Wolfgang Stelling mit Turnen an – und entdeckte seine große Leidenschaft.
Lehre als Tischler
Nach einer Lehre als Tischler bewarb er sich bei der Deutschen Turnschule in Frankfurt. Er wurde angenommen, entschied sich nach erfolgreicher Ausbildung und einer Trainertätigkeit bei der Polizei-Sportgemeinschaft Stade für den Schuldienst und landete so in Nordenham. Am 1. August 1970 begann er seine Lehrerlaufbahn an der damaligen Grund- und Hauptschule Süd. An diesem Standort ist er bis heute eine Institution. Aber im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte war er als Lehrer für Sport und Werken auch an vielen weiteren Schulen tätig: an der Realschule I, am Gymnasium, an der Zinzendorf- und an der Hauptschule in Tossens, an den Grundschulen Phiesewarden, Blexen und Nord.
In Schülerkreisen eilte dem Turnlehrer immer ein ganz besonderer Ruf voraus. Er gilt als streng, als Lehrer vom alten Schlag. Er habe kein Problem mit solchen Bezeichnungen, sagt der 65-Jährige. „Turner müssen diszipliniert sein. Da kann man nicht rumhampeln“. Selbst an den Umkleidekabinen seiner Schüler ist zu erkennen, wer in der Halle gerade das Zepter schwingt. Bei ihrem Turnlehrer lernen die Kinder nicht nur die Rolle vorwärts und die Kippe am Reck, sondern auch, wie man ordentlich seine Kleidung auf die Bank legt. Jungs und Mädchen bewerten sich gegenseitig, wie gut sie das hinbekommen. Und die Verlierer müssen ein paar Runden mehr durch die Turnhalle laufen.
Wer glaubt, dass sich Wolfgang Stelling mit solchen Methoden die Sympathien seiner Schützlinge verscherzt, der täuscht sich. Das Gegenteil ist der Fall: Viele Schüler haben ihn gerade wegen seiner Konsequenz ins Herz geschlossen. Das wird deutlich, wenn man in dem Büchlein blättert, das ihm die Drittklässler zum Abschied hinterlassen haben. Sie finden ihren Sportlehrer „ehrgeizig, streng, hartnäckig“, aber sie mögen ihn und finden es „doof“, dass er geht.
Mit Schülern im Finale
Strenge und Herzlichkeit, Disziplin und Spaß – das sind keine Widersprüche für den angehenden Pensionär. „Auch beim Turnen darf der Spaß nicht zu kurz kommen“, sagt er. Anders ist es auch kaum zu erklären, dass Wolfgang Stelling seit vielen Jahrzehnten junge Turner zu Höchstleistungen motiviert. In den Achtzigerjahren führte er eine Turnmannschaft des SVN bis in die Landesliga. Mit Schülerteams erreichte er siebenmal das Bundesfinale im Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“. Im vergangenen Jahr wurde eine Mannschaft des Gymnasiums unter seiner Regie Bundessieger in Berlin.
Auch wenn Wolfgang Stelling als Lehrer ausscheidet – Schülermannschaften will er weiterhin trainieren und für die Schulwettbewerbe in Form bringen. Auch dem Verein bleibt der 65-Jährige als Trainer erhalten. Seinem Haus und seinem Garten will er sich mehr als bisher widmen. Ruhestand hin oder her: Auf die faule Haut legen, das ist nichts für Wolfgang Stelling.
Quelle: Nordwest Zeitung (5. Juli 2011)



