
Nordenham. Sie wollten keine Grabrede hören und stattdessen lieber gemütlich mit den bisherigen Kollegen zusammensitzen und essen. Diesem Wunsch der vier Lehrer, die gestern an der Realschule I verabschiedet wurden, kamen Rektorin Heidrun Beck und die anderen Gratulanten gern nach. Mehr noch: Statt trauriger Reden gab es launige Kurzgeschichten und witzige Geschenke. Von Frank Lorenz
Heidrun Beck betonte in ihren Abschiedsworten die speziellen Eigenarten ihrer scheidenden Kollegen. „Ulli“, wandte sie sich beispielsweise an Ulrike Stackfleth, „Du bist für Deine schnelle Gangart bekannt. Weil Dein Mann und Du aber auch mit dem Fahrrad unterwegs seid, habe ich das hier für Euch.“ Sprach’s, und zog ein hellblaues Radfahrertrikot mit der Aufschrift „Speedy Gonzales“ hervor.
Für Hundefreund Knut Steinhäuser hatte die Schulleiterin Präsente aus der Tierhandlung parat. Der leidenschaftliche Gärtner Wolfgang Stelling bekam von ihr ein kleines Bäumchen. „Und für alle drei habe ich das Buch ‚Ich möchte keinen Seniorenteller‘ besorgt“, sagte Heidrun Beck.
Humor bewahrt
Sie würdigte die Pädagogen als Kollegen, die die Realschule I geprägt und etwas bewegt hätten – auch wenn, wie im Fall Knut Steinhäuser, die Zeit an der Schule nicht allzu lang war. Der Mathelehrer unterrichtete erst seit 2008 an der RS I. Die künftigen Pensionäre hätten ihren Beruf ernst genommen, sich jedoch immer ihren Humor bewahrt, stellte Heidrun Beck heraus.
Schülersprecher Dennis Kloppenburg überreichte den scheidenden Lehrern jeweils einen Café-Gutschein. „Wenn Sie möchten, lösen Sie die Gutscheine gemeinsam ein und gründen dort einen Rentner-Stammtisch“, schlug er mit einem Augenzwinkern vor.
Auch von den Kollegen gab es Geschenke. Sportlehrer Wolfgang Stelling, zu dessen Leidenschaften neben Turnen und der Gartenarbeit auch ausgiebige Frühstücke zählen, erhielt dafür einen Gutschein. Knut Steinhäuser luden seine Kollegen zu einem kurzen Urlaub auf Spiekeroog ein. Und für Ulrike Stackfleth, die ein Herz für Parfümerien, Frankreich und seltene Schokoladensorten hat, gab es einen Teilnahmegutschein für einen experimentellen Kochkursus.
Beate Haars verlässt die Realschule nach dem Sommer auf eigenen Wunsch für ein Jahr und nimmt unbezahlten Urlaub. Sie plant eine längere Reise.
Überraschung für Sportlehrer
Eine große Überraschung hatte Mark Stelling für seinen Vater bereit. Der Sohn des Turnlehrers erzählte in launigen Worten aus seiner Kindheit und wie es war, den eigenen Vater als Lehrer in der Schule zu erleben. „Eigentlich kannte ich Dich nur im Trainingsanzug“, verriet Mark Stelling, der inzwischen selber den Lehrerberuf gewählt hat. „Während meine Klassenkameraden Fußball spielten, musste ich an den Barren“, warf er seinem Vater lächelnd vor.
Die Rache des Sohns folgte prompt: Vor der applaudierenden Festgesellschaft musste Wolfgang Stelling Liegestütze und Handstand zeigen.
Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch (07. Juli 2011)



