HomeSchule.ENTDECKENPressespiegelMädchen und Jungen stürmen die Betriebe

Nordenham. Was passiert in einem Kreißsaal? Wie entsteht eine Zeitung? Worauf muss ich achten, wenn ich Metall fräse? In zahlreichen Nordenhamer Betrieben und Institutionen haben Jugendliche gestern in die Berufswelt der Erwachsenen hineinschnuppern können. Anlass war der Zukunftstag. Von Ellen Reimund und Timo Kühnemuth

Bei der Kreiszeitung Wesermarsch waren sieben Mädchen und ein Junge zu Gast. Einen halben Tag lang erfuhren Annalena Hollens (14), Nikita-Madeleen Immoor (11), Katharina Luers (13), Stephanie Ohlrogge (14), Mona Barth (13), Jana Jansing (13), Wiebke Eggert (14) und Felix Schmid (13), wie im Verlag Wilhelm Böning gearbeitet wird. Sie schauten den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle über die Schulter, tauschten sich mit den Anzeigenberatern aus und erfuhren, wie Tag für Tag die Zeitung an die Abonnenten verteilt wird. Die Redakteure nahmen die Jugendlichen auf den einen oder anderen Termin mit.

Beim Flugzeugteilebauer Premium Aerotec in Einswarden war der gestrige Zukunftstag für die Mädchen reserviert. „Wir wollen mehr Mädchen in die nach wie vor männerdominierten Ausbildungsberufe holen“, nannte Ausbildungsleiter Olaf Heinrichs den Grund. Mit seinen Mitarbeitern und Lehrlingen hat er gestern 22 Schülerinnen im Alter von 14 bis 16 Jahren betreut. Nachdem Werkschef Helmut Färber und Petra Deters vom Betriebsrat die Mädchen begrüßt hatten, besichtigten die Gäste das Firmengelände, stellten in der Ausbildungswerkstatt Bilderrahmen her und erfuhren, welche Berufschancen ihnen Premium Aerotec bietet.

Salben hergestellt

Büsra Sahan (11), Stefanie Walter (14), Rebecca Lauterbach (13), Fatma Sahan (13) und Felix Petersen (13) verbrachten den Zukunftstag in der Viktoria-Apotheke (Friedrich-Ebert-Straße). Die Mitarbeiter zeigten den Gästen, wie sie Salben herstellen, Tees abfüllen und Medikamente einsortieren. „Wer in einer Apotheke arbeitet, kommt selten dazu, sich hinzusetzen. Es ist ein Beruf, in dem man viel steht und läuft“, betonte Brigitte de Meirschman, Pharmazeutisch-Technische Assistentin. Den Kindern schien das nichts auszumachen. „Mir gefällt es gut hier“, sagte Felix Petersen.

Die Wesermarsch-Klinik hätte gestern 50 bis 60 Kinder zu Gast haben können. „Aber wir mussten eine Auswahl treffen, schließlich muss der normale Krankenhaus-Betrieb noch weiterlaufen“, betonte Pflegedienstleiterin Anke Bessel-Dietrich. So schauten sich drei Mädchen und ein Junge auf der Station für Gynäkologie und Geburtshilfe, in der zentralen Notaufnahme, der Unfallchirurgie oder der Cafeteria des Hauses um. Zu den Schülern gehörte Lara Galica (10). Sie bekam eine exklusive Führung durch den Kreißsaal und durfte anschließend Kinderkrankenschwester Beate Müller zur Hand gehen. Sie half ihr unter anderem dabei, die Mahlzeiten an die Patienten zu verteilen und die Betten zu beziehen.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nordenham und das Team der städtischen Jugendarbeit hatten ein Programm nur für Jungen auf die Beine gestellt. In der Jahnhalle erlernten 24 Jugendliche das Fensterputzen, nähten Knöpfe an, bügelten und machten sich schlau, welche Wäsche bei welcher Temperatur gewaschen werden sollte. Weil Hausarbeit hungrig macht, kümmerten sich die Jungs auch gleich ums Mittagessen. Brötchen, Würstchen und eine selbst gemixte Quarkspeise schmeckten allen.

An der Realschule I beteiligten sich am Zukunftstag nur die Klassen 5 bis 7. In den anderen Jahrgängen gebe es andere Möglichkeiten der Berufsorientierung, erklärte Lehrer Torsten Lange. Auch diejenigen Fünft- bis Siebtklässler, die nicht in einen Betrieb schnupperten, absolvierten gestern aber einen besonderen Schultag. Jungen tanzten und kochten, pflegten Blumen und erlernten Haushaltstechniken. Mädchen reparierten Fahrräder und betätigten sich als Ersthelfer. Organisiert hatten den Zukunftstag an der Schule die Lehrerinnen Beate Haars, Imke Gewinn und Christiane Vogel. „Das werden wir nächstes Jahr sicherlich wieder machen“, urteilte Torsten Lange.

Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch (15. April 2011)

 
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