REALSCHULE Vier Pädagogen verabschieden sich aus dem Kollegium
von Henning Bielefeld

An der Realschule I verabschiedete (von links) Rektorin Heidrun Beck die Lehrer Wolfgang Stelling, Beate Haars, Ulrike Stackfleth und Knut Steinhäuser.
Nordenham - Am letzten Schultag holte ihn die Vergangenheit ein. Und zwar in Gestalt seines Sohnes Mark. Der Sportlehrer Wolfgang Stelling war nicht wenig überrascht, als er bei der Verabschiedung für sich und drei Kollegen im Multimediapool der Realschule vortreten musste.
Wie einst die Schüler
Sein 33-jähriger Sohn Mark zeigte ihm zwei Holzklötze, mit denen er einen Handstand vorführen sollte – wie Tausende von Schülern in seinen 41 Dienstjahren als Sportlehrer. Wolfgang Stelling hatte die Klötze selbst gefertigt. Und den Handstand bekam er auch noch tadellos hin.
Schließlich sind er und seine Kollegen „Lehrer, die ihren Beruf ernst genommen haben.“ Das bescheinigte ihnen jedenfalls die Schulleiterin Heidrun Beck. Während Wolfgang Stelling die 65 voll gemacht hat, geht Knut Steinhäuser schon mit 63. Lange hatte er überlegt, ob er noch ein Jahr länger macht, sich dann aber doch fürs Aufhören entschieden.
Knut Steinhäuser stammt aus Ovelgönne, und als er 1967 am Gymnasium Brake sein Abitur ablegte, gab er in der NWZ den Berufswunsch Volksschullehrer an. Und das zog er durch. Nach seiner Bundeswehrzeit als Panzergrenadier studierte er von 1969 bis 1972 an der damaligen Pädagogischen Hochschule Oldenburg und trat am 7. Januar 1973 seinen Dienst bei der damaligen Volksschule mit Förderstufe in Friedrich-August-Hütte an.
1975 wechselte er mit vielen jungen Lehrern zur Schule Am Luisenhof, die damals noch Schulzentrum Nord hieß. Hier unterrichtete er Mathematik, Sport und Geschichte. Im Februar 2001 wechselte er zur damaligen Hauptschule Butjadingen in Tossens. Nach deren Auflösung kam er im Sommer 2008 zur Realschule I, wo er eine achte Klasse als Klassenlehrer übernahm und sie bis zur Entlassung führte.
Immer Glück gehabt
„Ich habe immer Glück gehabt mit meinen Fächern und meinen Klassen“, bilanzierte Knut Steinhäuser. Jahrelang spielte er Volleyball, war Trainer im SVN und Vorsitzender des Kreisvolleyballverbandes Wesermarsch. Zudem war er Fachberater für Sport an Schulen. Im Ruhestand stehen die Familie und sein Hund Mücke im Mittelpunkt.
Als Markenzeichen der Mathematik- und Physiklehrerin Ulrike Stackfleth gilt ihre schnelle Gangart. Die 61-Jährige stammt aus Andernach am Rhein, studierte in Bonn und lernte dort ihren Mann Otto Stackfleth kennen, der ebenfalls am Mittwoch als Lehrer Am Luisenhof verabschiedet wurde.
1974 schlossen sie ihr Studium ab, heirateten und kamen in die nördliche Wesermarsch – „weil Schulrat Dr. Heinrich Dageförde am schnellsten war“, wie Ulrike Stackfleth erzählt. Zunächst war sie bis 1988 an der Realschule in Rodenkirchen tätig, dann machte sie drei Jahre Pause und startete 1991 neu an der Realschule I, der sie insgesamt 20 Jahre lang treu blieb.
Beate Haars gehört dem Kollegium seit 10 Jahren an. Die 56-jährige Lehrerin für Englisch und Sport beendete ihre Ausbildung zu einer Zeit, als keine Lehrer gesucht wurden. Deshalb ging sie einen ungewöhnlichen Weg und arbeitete im Gefängnis – zunächst in der Justizvollzugsanstalt Nordenham, dann in Oldenburg.
Jetzt hat sie sich für zunächst ein Jahr beurlauben lassen, um mit ihrem Mann Uwe Haars – dem früheren Konrektor der Realschule – die Tochter Laura in Australien zu besuchen, die dort eine Zeit als Au Pair verbringen will. Ob Beate Haars danach ins Kollegium zurückkehrt, steht noch nicht fest.
Quelle: Nordwest Zeitung (7. Juli 2011)



