Der Kampf dem ewigen „Ähh“

Achtklässler lernen die Kunst des Redens – Rhetorik beim „Lernen lernen“

Zwei Menschen sitzen im Auto: „Fahr langsam, Fritz!“ sagt der Beifahrer. Sagt der Beifahrer das? Schreit der Beifahrer das? Ruft er es hinüber oder bittet er leise darum? – Diese Varianten und viele weitere probierten die Achtklässler im Rahmen des Rhetorikseminars von „Lernen lernen“ im Februar 2012 aus.

Rhetorik ist die Kunst des Redens. Bei Referaten in der Klasse oder bei Ansprachen im Sportverein oder der Jugendfeuerwehr kommen Schüler in die Situation, vor anderen sprechen zu müssen. Dass sie dabei auf ihre Körperhaltung achten und laut und deutlich sprechen müssen, lernten die Achtklässler bei Frau Schachtschneider oder Herrn Lange. Die beiden Deutschlehrer hatten die jeweils fünfstündigen Unterrichtseinheiten vorbereitet.

Zum Anfang mussten sich die Schüler Zungenbrecher einprägen und selbst welche ausdenken. Anschließend wurden diese der Klasse vorgetragen. Dabei gab es einige Komplikationen! Nicht nur, dass die Zungenbrecher schwer zu sprechen sind, viele Jugendliche mussten auch erst einmal die ganzen „Ähs“ unterdrücken, die vor dem Satz oder zwischendrin einfach so aus dem Mund purzelten. Es war ein hartes Stück Arbeit, bis der Kampf gegen das dauernde „Äh“ gewonnen war.


Spielszenen zum Lernen der Betonungen

Wie unterschiedlich Aussagen betont werden können, entdeckten die Schüler in einer anderen Übung. Neben der schon erwähnten Autofahrt gab es noch ein Gespräch mit einem Kellner, der einen zahlungswilligen Gast nicht abkassieren will, und zwei Personen, die beide nicht die Haustür nach einem Klingeln öffnen wollen. Je nach Lautstärke und Tonfall wirkte die vorgestellte Szene anders.

Das Ganze mündete in einer Spielszene in einem Eisenbahnabteil: Ein Gast hat kurz seinen Platz verlassen, um in den Speisewagen zu gehen, und ein anderer nimmt dreist seinen Platz ein. Hierbei wurde es ziemlich laut, denn es ging bei dieser Übung nicht um inhaltliches argumentieren. Die Äußerungen sollten nur wiederholt und immer lauter vorgetragen werden. Die Schüler fanden es lustig, sich einmal so richtig anschreien zu können, ohne dafür Ärger zu bekommen (auch wenn ein Musiklehrer irritiert die Klassenraumtür öffnete und nachfragte, ob alles in Ordnung sei).

Nach dieser Aufgabe sollten die Schüler die Wirkung verschiedener Körperhaltungen und Gesichtsausdrücke ausprobieren. Sie nahmen vorgegebene Körperhaltungen und ihr Übungspartner benannte die Außenwirkung. In einer zweiten Runde wurden passende Gestiken zu vorformulierten Aussagen gesucht und getestet.

Dann kam die große Tagesaufgabe: Jeder Schüler musste einen eigenen Redebeitrag zur Planung eines Sportfestes vorbereiten und der Klasse vortragen. Viele mussten sich überwinden, alleine vor der Klasse zu stehen, zumal einige Schüler auch noch mit einer Videokamera aufgenommen wurden. Lange Reden gab es nicht: Viele Jugendliche nutzten die maximale Zeit von 90 Sekunden überhaupt nicht aus, einige waren schon nach zehn Sekunden am Ende ihrer Worte.

| Text: Niklas Perkin, Kl. 8a |

 
Zum Anfang