ABER HALLO auf der Suche nach dem O-Ton

"Wir kommen New York näher", stellt Arne Becker fest. Der 15-Jährige steht auf einer Brücke über den Main und blickt auf die Skyline von Frankfurt. Die in den Himmel ragenden Wolkenkratzer beeindruckten auch Justin Tönjes (15), Merle Gerdes (15) und Janine Kuck (16). Die Neuntklässler gehören zum Team der Schulzeitung "Aber Hallo" und waren am Wochenende in der Mainmetropole. Zwischen den mächtigen Bankentowern besuchten sie den "Schoolradioday 2011", ein Treffen von Schulradiomachern und Podcast-Produzenten aus ganz Deutschland.

Einhundert Schüler trafen sich im "Haus der Jugend" und arbeiteten im Evangelischen Medienhaus Frankfurt. Das Nordenhamer Team startete am Freitag, ausgestattet mit digitalem Aufnahmegerät, Kopfhörern, Laptop und natürlich – für die Printausgabe der Schulzeitung – auch mit Fotokamera. Begleitet wurden sie von ihrem Lehrer Herrn Lange.

Janine Kuck, Justin Tönjes, Arne Becker und Merle Gerdes in der Mainmetropole

Seit 2007 produziert das Schulzeitungsteam der "Aber Hallo" auch Podcasts – digitale Hörbeiträge, die im Internet abgerufen werden können. Justin Tönjes und Arne Becker lernten die Technik im Deutschunterricht kennen, um ihre Buchvorstellungen medial aufzubereiten. Seit einem Jahr sind sie als "Podcaster" mit im Redaktionsteam. "Ich habe gelernt, wie ich meine Stimme trainieren kann, damit ich für den Zuhörer sympathisch klinge", bilanziert Arne Becker und hat sich vorgenommen, künftig mit einem Korken im Mund seine Aussprache zu trainieren. Diesen Trick hat er vom jungen Radiomoderator Philip Heussen gelernt, der einen der Workshops am Wochenende leitete.

"Ich weiß jetzt, was eine Reportage ausmacht, einen Beitrag und eine Umfrage, und wie ich Podcasts schneide", sagt Janine Kuck. Ihre Mitschülerin Merle Gerdes, die bereits seit vier Jahren im Schulzeitungsteam mitarbeitet, wollte ihren journalistischen Stil verbessern. "Ich habe Tipps bekommen, um besser auf Interviewpartner einzugehen und weniger am Fragenkatalog zu kleben."

"Bei Reportagen muss man sich ganz schön konzentrieren", sagt Justin Tönjes. "Ich muss alles genau beschreiben und das ‚Auge für den Hörer’ sein." Bislang hatte Justin sich vorwiegend auf den technischen Part konzentriert und redaktionelles Material aus der Schulzeitung zu Podcasts weiterverwertet.

"Beim Schoolradioday war eine sehr gute Atmosphäre zum Arbeiten", sagt Janine Kuck. Denn in den Workshops gab es nicht nur Theorie: Jedes Radioteam produzierte unter professioneller Anleitung einen Hörbeitrag, der abschließend allen Teilnehmern des Medientreffens vorgestellt wurde. Die vier Nordenhamer erstellten eine Umfrage, ob die Befragten mit der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen mitfiebern würden.

"Wir konnten sehen, auf welchem Stand wir sind im Vergleich zu anderen", bilanziert Arne Becker. "Da hinken wir noch hinterher", stellt der 15-Jährige selbstkritisch fest. "Wir werden das Gelernte mitnehmen und umsetzen. Im nächsten Jahr werden wir dann wieder hinfahren und noch einmal vergleichen", sagt der Realschüler.

Parallel zu den Workshops für Schüler gab es Vorträge und Seminare für die Lehrer. Torsten Lange besuchte Fortbildungen zu Rhetorik und Rechtsfragen. Besonders die Bestimmungen zum Urheber- und Leistungsrechtsschutz schränken die Arbeit der Web-Radio- und Podcast-Produzenten ein. "Wir haben uns im Kollegenkreis ausgetauscht und uns gegenseitig Tipps gegeben." Trotz Wochenendeinsatz fällt sein Fazit positiv aus: "Meine Schüler und ich nahmen eine ganze Menge Input mit nach Hause."

 
Zum Anfang